Entwicklungspsychologie
Wygotski — ein pfiffiger Kumpel
Lew Wygotski (1896–1934) entwickelte die kulturhistorische Psychologie — eine Perspektive voller Hoffnung: Entwicklung ist nicht nur eine individuelle Angelegenheit. Entwicklungsschritte machen wir gemeinsam.
Die Entwicklung des Kindes entspringt nicht einer inneren psychischen Ideenwelt, sondern möge als Aktivität verstanden werden. In dem tatsächlichen und praktischen Leben des Kindes haben die psychologischen Prozesse ihre Grundlage. Folglich ist das, was die Kinder in der Vorschule TUN, ausschlaggebend für ihre Entwicklung — nicht, was sie „im Kopf haben".
Wygotski spricht von vier unterschiedlichen Aktivitäten:
1. Die soziale Dimension
Die individuelle Kompetenz des Kindes hat ihren Ursprung in verschiedenen Formen von Interaktion mit anderen Menschen. Das Kind lernt zweimal: Zuerst kann es das, was es noch nicht kann, zusammen mit einem tun, der es schon kann. Dann kann das Kind es selbst. Es leiht sich kurz und gut eine Kompetenz von einem „pfiffigeren Kumpel" — dann kann es das Gleiche selbst.
2. Die Werkzeug-Dimension
Wenn das Kind in der Welt aktiv ist, verwendet es immer Werkzeuge (tools and signs). Das Verhältnis des Kindes zur Umwelt ist vermittelt, und der inneren Denkarbeit gehen Aktivitäten mit Hilfe von Werkzeugen voraus. Ohne Fingerrechnen kein Kopfrechnen. Das Wort und die Sprache sind besonders wichtige Werkzeuge.
3. Die räumliche Dimension
Die Lernaktivitäten des Kindes sind immer situationsgebunden — sie finden in speziellen Situationen statt; kulturellen Zusammenhängen; Räumen. Einige Räume erleichtern Entwicklung und Lernen, andere erschweren sie. „Wo bist du?" ist deshalb eine wichtige pädagogische Frage.
4. Die kreative Dimension
Aktivitäten, die zu Entwicklung und Lernen führen, sind kreativ — sie überschreiten gegebene Grenzen. Das Kind kann nicht nur Beziehungen, Werkzeuge und Situationen nutzen. Es kann sie umformen. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder sich frei fühlen, es auf die eigene Art zu tun.
Zone der nächsten Entwicklung
Wygotski gab einem bestimmten Typ sozialer Aktivität einen Namen: die Zone der nächsten Entwicklung. Einen Schritt weiterzugehen ist ein Abenteuer — aber kein Mysterium. Es ist möglich, zusammen mit anderen.
„Was das Kind heute in Zusammenarbeit und unter Anleitung vollbringt, wird es morgen selbständig ausführen können. […] Wenn wir untersuchen, wozu das Kind selbständig fähig ist, untersuchen wir den gestrigen Tag. Erkunden wir jedoch, was das Kind in Zusammenarbeit zu leisten vermag, dann ermitteln wir damit seine morgige Entwicklung."
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