Best Practice

Der Baum der Erkenntnis in der Praxis

Zusammenfassung der HAWK-Studie „Vom Papier in die Praxis" (Hildesheim 2013/2016) — Prof. Dr. Ruth Jäger-Jürgens, Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit

Wie setzen Kindertageseinrichtungen den Baum der Erkenntnis in der Praxis ein? Eine zweijährige Forschungsstudie der HAWK Hildesheim untersuchte neun niedersächsische KiTas, die das Verfahren bereits verwenden — mit überzeugenden Ergebnissen.

Ein zentrales Ergebnis: Der Baum der Erkenntnis verändert den Blick auf das Kind. Pädagoginnen, die das Verfahren einführten, berichteten übereinstimmend, dass sie Kinder, um die sie sich bisher Sorgen gemacht hatten, durch die strukturierte Beobachtung in einem völlig anderen Blickwinkel wahrnahmen. Der positive Blick auf das Kind sorgte dafür, dass sich auch das Kind anders verhielt — es fühlte sich stärker angenommen.

Stärken sichtbar machen — nicht Defizite benennen

Gerade in der Zusammenarbeit mit Eltern von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf wurde immer wieder deutlich, dass zunächst die Probleme und Schwächen der Kinder im Vordergrund standen. Erst in der praktischen Arbeit mit dem Baum der Erkenntnis gelang es, dass Eltern auch wieder vermehrt die Fortschritte ihrer Kinder sahen und die Persönlichkeit des einzelnen Kindes wieder in den Vordergrund rückte — mit spürbarer Wirkung auf die Eltern-Kind-Beziehung.

Was gelingende Einführung ausmacht

Die Studie zeigt: Eine begleitete, langfristig angelegte Einführungsphase ist entscheidend für den Erfolg. Teams, die sich gemeinsam Zeit nahmen, um Begriffe zu klären und ein gemeinsames Verständnis der Kompetenzen zu erarbeiten, nutzten das Verfahren deutlich gewinnbringender. Die Einführung dauert erfahrungsgemäß zwei bis drei Jahre — das ist kein Hindernis, sondern Teil des pädagogischen Lernprozesses.

Bewährt hat sich außerdem die Kombination des Baums der Erkenntnis mit einem Portfolio: Während der Baum die Entwicklung in strukturierter Form dokumentiert, sammelt das Portfolio das, was dem Kind persönlich wichtig ist — beides zusammen ergibt ein vollständiges Bild.

Elterngespräche auf neuer Grundlage

Als besonders wertvoll erwiesen sich die Elterngespräche mit dem Baum als Gesprächsgrundlage. Die farbig markierten Kompetenzen machen auf einen Blick sichtbar, was das Kind bereits kann — und eröffnen ein lösungsorientiertes Gespräch über die nächsten Entwicklungsschritte. Eltern kommen zunehmend gerne in die Einrichtung, wenn sie wissen, dass ihre Stärken des Kindes im Mittelpunkt stehen.

„Früher fanden Entwicklungsgespräche eher dann statt, wenn es Probleme gab. Heute sehen wir diese Gespräche als eine Möglichkeit, mit den Eltern in Kontakt zu treten, um miteinander anhand des Baumbuchs zu sehen, welche Kompetenzen das Kind bereits erworben hat."

— Regine Gummels, Kindergartenleiterin, aus der HAWK-Studie 2013

Handreichung als PDF (HAWK Hildesheim)
HAWK Hildesheim · 36 Seiten

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