Spiel & Lernen

Spielen und Lernen bauen auf gleichem Grund

Leif Strandberg, Psychologe, Söderhamn/Schweden · Übersetzung: Marianne Berger

Spiel ist Lernen, und im Spiel kann das Kind so tun, als ob es jemand anderes sei oder etwas könne, was es eigentlich noch nicht kann. Zusammen mit pfiffigen Spielkameraden bekommt es die Möglichkeit, von jemandem zu lernen, der etwas mehr kann als es selbst.

An einem Dezembertag war ich in einer Natur-Vorschule in Malmö zu Besuch. In einer Ecke des Außengeländes sah ich zwei Mädchen, drei bis vier Jahre alt, die hinter einem weißen Gartentisch aus Plastik saßen. Ich ging zu ihnen und fragte, was sie spielten. Das eine Mädchen sah mich etwas skeptisch an und sagte mit klarer Stimme: „Ich bin Chef in einer Bibliothek." Das war also kein Spiel — das war blutiger Ernst.

In diesem Spiel entdecken wir sehr hoch entwickelte kognitive, emotionale und soziale Fähigkeiten. Drei bis vier Jahre alt zu sein und sich vorzustellen: Ich bin erwachsen, ich bin Chef, ich arbeite in etwas, das Bibliothek heißt, und der Tisch ist kein Tisch, sondern ein Tresen, auf dem man Bücher übergeben kann, und Blätter sind Buchseiten. Ja, in solcher Bibliothek kann vieles geschehen.

Wie Kinder Lernfortschritte machen

Was mir immer wieder auffällt ist, dass die Methoden des Spiels den Methoden des Lernens gleichen — und umgekehrt. Wie machen Kinder einen Lernfortschritt, von dem, was sie nicht können, zu einer Welt, in der sie können? Das Kind muss aktiv sein und sich auf eine Reise in unbekanntes Land begeben.

Die beste Art, eine Sache zu lernen, ist, sich an einen Menschen anzuschließen, der ein wenig mehr kann als ich, und mit ihm zusammen zu sein. Alles Lernen beginnt als soziale Aktivität. Und merkwürdigerweise kann ich zusammen mit einem pfiffigen Kumpel, der ein wenig mehr kann, auch etwas mehr — das heißt, ich kann so tun als ob ich kann.

Aber, wendet vielleicht jemand ein: Die Kinder tun ja nur so, sie können ja nicht richtig. Nein, natürlich kann das Kind anfangs nicht „richtig", aber es hat begonnen, etwas zu tun, was es noch nicht kann. Hört ihr den wunderbaren Widerspruch in diesem Satz? Das Kind kann nicht, aber es kann doch so tun als ob es kann.

Wygotski und die Entwicklungszone

Wygotski nannte diese Zauberei Entwicklungszone: Was das Kind heute zusammen mit einem Erwachsenen oder einem anderen pfiffigen Kumpel tun kann, kann es morgen allein tun. Im Spiel, das heißt in der imaginären Welt, den Rollen, den Requisiten und Regeln, „ist es als ob das Kind einen Kopf größer wäre als es selbst" (Wygotski). Das Kind ist, was es ist — aber es ist auch das, was es einmal werden wird.

„Spielen und Lernen sind Geschwister. Wenn also die Vorschule einen Beitrag leisten soll für die kognitive Entwicklung des Kindes, dann ist das Spielen eine besonders gute Aktivität."

— Leif Strandberg

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Leif Strandberg · 3 Seiten

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